Wozu ich hier blogge

2006 bis 2008 hatte ich schon einmal ein kleines Blog, damals noch während meiner Promotionszeit in Mannheim. Der Titel "Geschichte und mehr" war damals in gewissem Sinne auch Programm. Bei genauem Hinsehen war es eine bunte Wunderkammer aus Schnippseln zur Lokalgeschichte, auf die ich im Rahmen meiner Forschungen gestoßen bin, Kommentaren zur Kommunalpolitik, in der ich damals engagierter war als heute, und Berichten aus dem Kulturleben des Rhein-Neckar-Raums. Das Schreiben hat Spaß gemacht, das Lesen und Kommentieren hoffentlich auch, zumindest einer Handvoll FreundInnen und KollegInnen. Aber es war und blieb ein Kessel Buntes, bei dem ich mir irgendwann die Frage stellte: Wozu? Mit dem Aufkommen von Facebook und Twitter gab es andere Kanäle, sich mit Freunden und Musikliebhabern auszutauschen. Und bei den historischen Veröffentlichungen zählte - gerade gegen Ende der Promotionszeit - die Veröffentlichungsliste mehr, als der "nette" Blogbeitrag.

 

Nun haben sich die Zeiten in zweierlei Hinsicht geändert: Zum einen sind Blogs mittlerweile auch in der Geschichtswissenschaft und Geschichtsvermittlung von der "Spielerei" hin zum ernsthaften Kommunikationsmittel innerhalb der Fachcommunity geworden. Zum Anderen geht man als Doktorand meist so in seinem Themenfeld auf, dass man alle Themen, über die man mit Verve und Leidenschaft schreibt auch irgendwie beruflich platzieren kann und will.

 

Wer Geschichte außerhalb der Uni zum Beruf macht, hat aus meiner Sicht immer noch ein Privileg. Das Forschen und Veröffentlichen "frei Schnauze" gehört aber nicht immer dazu. Einerseits gibt es Themen und Texte, über die man nicht selbst verfügt, sondern die man für Arbeit- und Auftraggeber erstellt. Andererseits gibt es das eine oder andere persönliche Herzensthema, das wenig bis nichts mit beruflichen Projekten zu tun hat.

So ergeht es mir derzeit mit dem Thema Holocaust Education und Erinnerungskultur. Seit ich nicht mehr bei der Körber-Stiftung arbeite, füllt es meinen Schreibtisch eher selten. Gleichzeitig gibt es vom  Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar bis (mindestens) zum Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai jede Menge Initiativen und Projekte, die Beachtung und einen Blogpost verdient haben!

 

Das ist der Antrieb, hier hin und wieder aktiv zu werden. Die Erinnerung an die NS-Zeit wird kein enger Themenfokus sein, aber angesichts der "Geschichtskonjunktur" in den nächsten Wochen sicher im Mittelpunkt stehen.

"Geschichte und mehr" wird hier in dem Sinne stattfinden, das mein Interesse überwiegend Seiten der Geschichte gilt, die bis heute auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft nachwirken. Den Austausch mit persönlichen und Kultur-Freunden werde ich hingegen wohl weiterhin auf meine Social Media-Gruppen beschränken.

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