Der Weg ins Museum und (darüber) hinaus

Der Mindestlohn und die Kultur wurden und werden in den letzten Wochen ausgiebig diskutiert. Deutschlandradio Kultur hat dazu gestern ein lesens-/hörenswertes Interview mit Eckart Köhne, dem Präsidenten des Deutschen Musemsbundes (DMB), gesendet, das mir Anlass für einen kurzen Ausflug in die eigene Vergangenheit gibt. Denn am Rande ging es in dem Beitrag auch um die finanzielle Situation von Volontären am Museum – und damit meine erste berufliche Station vor fünf Jahren.

Es geht nicht (nur) um die finanzielle Perspektive

Im Gespräch war das Thema recht schnell durch den Verweis auf die Empfehlung auf die (halbe) tarifliche Bezahlung und den Ausbildungscharakter des Volontariats erledigt. Dass längst nicht alle Häuser diese Empfehlungen für ein vorbildliches Volontariat erfüllen können (oder wollen…) steht auf einem anderen Blatt. Ich hatte das Glück, am TECHNOSEUM in Mannheim tatsächlich in den Genuss eines solchen Programms mit Ausbildungsplan, Abteilungswechsel und regelmäßigen Fortbildungen zu kommen. Das Fazit aus meiner eigenen Erfahrung ist daher: Die Fragen, die sich einem jungen „Museum Professional“ im Volontariat stellen, sind nicht in erster Linie materieller Natur.


Die drängendste Frage, spätestens nach der Halbzeit des Zweijahresprogramms, ist vielmehr: Wie geht es weiter? Die Zeiten der hausinternen Nachwuchsschmiede, nach der VolontärInnen, die keine silbernen Löffel aus der Vitrine mitgehen ließen, mit einer Übernahme als Referent oder Kuratorin rechnen konnten, sind lange vorbei. Mit etwas Glück sind Wille und Mittel für einen Folge- oder Werkvertrag da, um begonnenen Projekte wie Ausstellungen oder Kataloge fertigzustellen. Aber dann heißt es „Into the Great Wide Open“. Und so weit und offen ist die Museumslandschaft nach dem Volontariat leider keineswegs.

Für einen Vortrag auf der ICOM-Tagung „Ways to the Museum, Ways through the Museum“ in Budapest habe ich gegen Ende meiner Ausbildungszeit ein Quartal lang die Stellen beobachtet, die in der Jobbörse des DMB ausgeschrieben waren (siehe Grafiken). Das Ergebnis: Die Museen bildeten weit über ihren Bedarf hinaus aus. Gut 40% der Stellenangebote waren Volontariate. In absoluten Zahlen kamen auf 68 Volontärsstellen 45 „Folgestellen“, die für einen fertig ausgebildeten, meist gut studierten oder gar promovierten Museumsmenschen theoretisch in Frage kommen. Dieser Trend an Ausschreibungen war für die zwei Jahre meiner eigenen Museumstätigkeit durchaus repräsentativ. Der Fairness halber muss ich sagen, dass die Situation sich nach meinem Eindruck – ohne belastbare Zahlen – in den letzten Jahren etwas gebessert hat. Aber dennoch gibt es eine „Welle“ an (ehemaligen) VolontärInnen, die sich am Rennen um die Stellen beteiligen, oder einen langen Zeitraum in prekären Beschäftigungen verbringen (da sind wir wieder beim Mindestlohn), wenn sie nicht wie ich das Glück haben, ihren Weg in einem anderen Bereich fortsetzen zu können.

Ist die "Allrounder"-Ausbildung am Museum noch zeitgemäß?

Wie sinnvoll ist das „klassische“ und vom DMB als vorbildlich gesetzte Volontariat für diesen weiteren Berufsweg?

Es bereitet hervorragend auf die Führung eines kleineren Museums vor, in dem die Leitung in Rolle der berühmten „eierlegenden Wollmilchsau“ alle Bereiche vom Depot über die Ausstellung bis zur Sponsorenakquise betreut. Doch selbst bei größeren Stadtmuseen mit guter Personaldecke, von Landesmuseen und erfolgreichen privaten Häusern ganz zu schweigen, dürften spezialisierte PR-Menschen, Pädagogen oder Projektmanagerinnen bei der Besetzung der jeweiligen Stelle im Vorteil sein gegenüber den Museumsgewächsen, die zwei Jahre von allem ein bisschen mitgenommen haben.

 

Natürlich ist es an jedem und jeder Einzelnen, sich bereits in der Ausbildungsphase „on the job“ (und leider auch manchmal neben dem Job) zu spezialisieren und seine und ihre Nische zu finden, die neben dem klassischen Museum auch Optionen wie die Öffentlichkeitsarbeit, das Kulturmarketing oder den Wissenschaftsjournalismus offen hält. Von den Kontakten und Erfahrungen während meines Volontariats profitiere ich noch heute. Wie lange dieser Ausbildungsgang noch dem Arbeitsmarkt gerecht wird und wie sich die Spezialisierung in verschiedenen Materstudiengängen auf die künftige Museumsausbildung auswirken wird, ist für mich aber eine offene Frage.

 Text und Grafiken: Franz Jungbluth CC:BY-ND 3.0

PS: Den Hinweis auf das Interview verdanke ich der Kollegin Wera Wecker und ihren Museumsnachrichten auf Twitter. Ein wunderbarer Service. Danke!

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Kommentare: 3
  • #1

    Wera (Mittwoch, 04 Februar 2015 17:00)

    Dein Beitrag macht mich ein wenig glücklich. Ich dachte schon, ich sei die einzige, die sich ihren Teil dazu denkt. "Ein vorbildliches Volontariat" - das würde ich gern mal sehen. Vermutlich kann das kaum ein Haus erfüllen. Ausbildungsplan, Abteilungswechsel, regelmäßige Fortbildungen - für viele wohl ein Wunsch. Ich gebe zu, ich hatte Glück. Fortbildungen bekam ich, denn in Niedersachsen ist eine Fortbildung zu jedem Bereich vorgesehen: Öffentlichkeitsarbeit, Sammeln und Bewahren, Forschen und Ausstellen und Museumsmanagement. So weit, so gut. Von einem Ausbildungsplan und Abteilungswechseln will ich gerade mal absehen... (ich wollte ein spezielles Volontariat und kein allround-Volo).

    Das Interview jedoch hat mich ein wenig stutzig gemacht, klar empfiehlt der Museumsbund die Hälfte von TVöD 13. Aber das sind doch vermutlich nur eine handvoll Museen, die das umsetzen. Es wäre doch mal sehr spannend zu sehen, wie die Gehälterstruktur bei Volontären in deutschen Museen aussieht. Gibt es ein Nord-Süd-Gefälle? Müssen sich die staatlichen und städtischen Museen daran halten? Es würde mich wirklich interessieren. Ich kenne nur sehr wenige, deren Arbeitgeber dieser Empfehlung nachkommen. Mir stellt sich auch die Frage in diesem Zusammenhang: Wird es nun mit dem Mindestlohn weniger Volontäre geben?

    Sollte man ein heiß begehrtes Volontariat bekommen haben, ist die wichtigste Frage: Wie geht es nach dem Volontariat weiter? Zu meinem Glück befand ich mich in der luxuriösen Situation, dass ich mich von vornherein auf PR spezialisiert habe. Meines Erachtens ist es deutlich einfacher anschließend einen Job zu bekommen, weil man nicht unbedingt auf die Sparte Museen festgelegt ist.


  • #2

    Franz Jungbluth (Donnerstag, 05 Februar 2015 09:53)

    Da hatten wir wohl beide Glück, einmal wegen der Größe der Häuser und zum Anderen, weil die Museumsverbände Niedersachsen/Bremen und Baden-Württemberg beide feste Fortbildungsreihen für Volontäre anbieten. Da sind Hemmschwelle und Aufwand für den Arbeitgeber natürlich geringer, als wenn er sich selbst um ein Curriculum kümmern muss - in Mannheim gab es das allerdings zusätzlich in selbstorganisierter Form von Landesmuseum, Kunsthalle und Reiss-Engelhoren-Museen!
    Ich glaube, sowohl bei der Unterstützung durch die Museumsverbände als auch bei der Bezahlung dürfte das Gefälle eher West/Ost als Nord/Süd ausfallen. Zumindest haben die KollegInnen aus Thüringen und Sachsen vor ein paar Jahren angefangen, sich selbst Fortbildungsprogramme zu organisieren. Vielleicht hat der DMB da ja zahlen? Zumindest hat der AK Volontariat mir "am Ende" einen Fragebogen zu Gehalt und Ausbildungsplan geschickt.

    Im letzten Absatz sprichst Du finde ich einen echten Knackpunkt an: Ein "Ein-Abteilungs-Volontariat "schafft finde ich Anreize, die Volos eher als billige Arbeitskräfte zu sehen. Denn wer zwei Jahre in einer Abteilung verbringt, ist ja ganz anders einzuspannen, als wenn er/sie spätestens nach einem Jahr in die Rotation geht. Und andererseits ist es genau die Spezialisierung von Anfang an, die einem Kontakte und Knowhow für den weiteren Berufsweg bringt, im Museum oder außerhalb.

  • #3

    Marlene Hofmann (Montag, 09 Februar 2015 22:16)

    Ein wichtiges Thema und ein interessanter Artikel. Ich habe mich ebenfalls gleich auf den Bereic Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert - einerseits, weil ich ohnehin Journalismus studiert habe, andererseits, weil bei mir in den Museumsmanagement Leute sassen, die einen Doktor gemacht haben, um überhaupt ein Volontariat in einem Museum machen zu dürfen! Zusätzlich zum Überangebot an Volontariaten muss es doch auch ein Überangebot an Studienabgängern mit museumsrelevanter Ausbildung geben. Im Endeffekt muss man sich als Humanist heutzutage selbst erfinden, spezialisieren und gut verkaufen...
    Viele Grüsse,
    Marlene