Papier ist geduldig...

Der letzte Blogeintrag liegt eine ganze Weile zurück. Das liegt vor allem daran, dass ich ein Jahr lang die Marketing- und Pressestelle von Museum und Park Kalkriese vertreten habe. Eine schöne Stelle, für die ich mich aber erst einmal in die Arbeitsweisen von Archäologen einarbeiten und meine etwas eingestaubten Kenntnisse der römischen Geschichte auffrischen musste. Digital habe ich dort auch gearbeitet und beispielsweise Ende 2015 ein Twitterkonto eingerichtet. Nur für das eigene Blog fehlte die Zeit.

 

Viel besser wurde dies auch in den letzten fünf Monaten nicht, in denen ich in Elternzeit unsere Tochter auf dem Weg vom kleinen Säugling zum brabbelnden und krabbelnden Kitakind begleiten durfte. In der Zeit habe ich viel Aufschreibenswertes erlebt, das aber nicht unbedingt in diesen Blog passt und gehört (ein paar Gedanken habe ich in einem Gastbeitrag zu Babyfarben veröffentlicht, mal sehen ob noch etwas folgt).

 

Während ich mich also mit Römern und Germanen, Breipulver und Babyöl beschäftigt habe, sind allerdings erfreulicher Weise einige Projekte aus meinem 'früheren Leben' zu einem guten Ende gekommen beziehungsweise sind endlich im Druck erschienen.

In der schnelllebigen Zeit der digitalen Kommunikation vergisst man hin und wieder wie lange 'richtige' Bücher vom ersten Manuskript zum fertigen Band brauchen. Für Sammelbände von Konferenzen gilt das angesichts der vielen Autoren, die unter einen Hut zu bringen sind, noch mehr. So liegen die beiden Tagungen, zu denen ich während meiner Elternzeit die Bücher ins Haus bekommen habe, bereits zwei Jahre zurück.

 

Hierbei handelt es sich zum einen um die Konferenz zu 'Historischem  Erzählen und Lernen', die ich für die Körber-Stiftung gemeinsam mit der Universität Greifswald organisiert habe. Die geschichtsdidaktischen Debatten seit dem Frühjahr 2014 habe ich nicht im Detail verfolgt und kann daher nicht im Detail beurteilen, wie aktuell die Beiträge nach zwei Jahren noch sind, ich hatte aber auf der Tagung den Eindruck, dass einige Vorträge durchaus akademisches Neuland betreten haben.

 

Genau anders herum verhält es sich mit dem Band zur Tagung 'Städte im Krieg', an der ich nicht als Organisator, sondern als Vortragender teilgenommen habe. Während ich die Tagung selbst als von Einzelfall zu Einzelfall springend in Erinnerung hatte und es mir in Karlsruhe etwas schwer fiel, den roten Faden herauszuarbeiten, bieten die Artikel in gedruckter Form und erweitert um ein paar Beiträge von Autoren, die leider nicht vor Ort sein konnten, eine wirkliche Bereicherung des stadthistorischen Blicks auf den Ersten Weltkrieg. Der Band erscheint offiziell erst im Oktober und wird dann an dieser Stelle noch ausführlich rezensiert.

 

Ganz anders geartetet ist schließlich das letze Beispiel. Unter dem Titel 'Entrechtung, Widerstand, Deportationen 1933–1945 und die Zukunft der Erinnerung in Hamburg' haben die Körber-Stiftung, die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und das Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung einen Materialband zum Hannoverschen Bahnhof vorgelegt. Anhang von Biografien und Quellen wird die Geschichte der Deportationen aus der Hansestadt greifbar und für den Schulunterricht aufbereitet. An die zahlreichen und langen Redaktionssitzungen erinnere ich mich noch gut, ebenso an die verschiedenen Neukonzeptionen die nötig waren, wenn ein solcher Materialband zu einer Erinnerungstätte erscheint, die selbst noch 'work in progress' ist. Das Ergebnis kann sich allerdings sehen lassen (und hier auch heruntergeladen werden) und wird hoffentlich von den Hamburger Schulen rege genutzt werden. 

 

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