Starke Partner und ihre Museen (II). Fußballgeschichte XL in Dortmund

Anfang November habe ich an der Tagung ‚Starke Partner und ihre Museen‘ der Vereinigung westfälischer Museen teilgenommen und mich zu einer Blogserie über die dort vorgestellten Museen und Ausstellungshäuser anregen lassen. Im zweiten Teil der Reihe geht es um das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund.

© DFM / Roesner
© DFM / Roesner

Bei allen auf der Tagung vorgestellten Museen handelte es sich um Häuser, die entweder privat oder von einer Institution getragen werden, die man nicht in erster Linie mit einem Museumsbetrieb verbindet. Beim Deutschen Fußballmuseum (DFM) gilt dies mit Einschränkungen. Das Haus wird zwar vielfach als ‚DFB-Museum‘ bezeichnet. Träger ist allerdings eine gemeinnützige GmbH, an der der DFB und die Stadt Dortmund beteiligt sind. Eine solche Konstellation ist im Kulturbereich nicht gänzlich ungewöhnlich, vor allem wenn wie in Dortmund mehrere Geldgeber (DFB und das Land NRW für Bau und Gestaltung sowie die Stadt für das Grundstück und die Erschließung) beteiligt sind. Während die im ersten Teil der Serie vorgestellte Dr. Oetker Welt nach ihrem Selbstverständnis vor allem ein Marketinginstrument ist, richtet das DFM sein Programm und seine Aktivitäten an der gängigen Museumsdefinition aus – Sammeln, Ausstellen, Forschen, Bewahren. Dennoch hebt es sich in mindestens drei Aspekten vom Gros der Museumslandschaft ab.

 

Ein Museum der Superlative

© DFM / Hannapel
© DFM / Hannapel

Fußball in Deutschland ist nun einmal die große Nummer. Dass sich dies in einem Museum widerspiegelt, das den Anspruch erhebt, diese Geschichte von den Anfängen bis heute zu erzählen, verwundert nicht. Zumal die Entstehung des Fußballmuseums auch noch eng mit dem ‚Sommermärchen‘ 2006 verbunden ist, aus dem sowohl die Idee für die Einrichtung als auch ein beträchtlicher Teil der vom DFB investierten Summe stammten. Mit einer Anfangsinvestition von 35 Millionen Euro für den Bau und die Dauerausstellung, die über zwei Stockwerke verteilt eine Fläche von 3.300 Quadratmetern abdeckt, spielt das DFM – das Wortspiel sei verziehen – infrastrukturell von Beginn an in der Champions League mit.

 

Gleichzeitig spielt das Haus auf Klassenerhalt. Denn nach den fürstlichen Anfangsinvestitionen und den Zuschüssen aus der Landeskasse erwarten die Träger, dass sich die GmbH in den kommenden Jahren finanziell selbst trägt. Dazu sind nach derzeitigem Planungsstand um die 270.000 Besucher notwendig. Im ersten Jahr – das Haus eröffnete im Oktober 2015 – hatte das Deutsche Fußballmuseum, so die offizielle Sprachregelung „deutlich über 200.000 Besucher“. Die Finanz- und Besucherplanung ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen. Schaut man sich die Besucherzahlen der großen historischen Museen an und unterstellt, dass Fußball eine größere Zielgruppe anspricht, als Geschichte, sollte die Viertelmillion ebenfalls gut zu mobilisieren sein. Der Standort Dortmund dürfte zwar wenig touristische Laufkundschaft bieten, ist als Heimat eines Top-Fußballvereins und in bequemer Fahrweite zu einem halben Dutzend weiterer Bundesligaorte aber strategisch gut gelegen. Die Ansprache von „Auswärtstouristen“ bei Fußballspielen sowie die Vermarktung von Räumlichkeiten mit Fußballflair als besondere Eventlocation – immerhin umweht einen hier die Aura des vierfachen Weltmeisters – sind denn auch Alleinstellungsmerkmale, die das DFM von anderen Museen unterscheidet und für sein Marketing nutzt.

 

Spannende Entwicklungsfragen

Dennoch wird die weitere Entwicklung spannend zu beobachten sein. Denn es ist ja nicht alleine mit dem Erhalt des Status Quo getan. Was ist, wenn die Borussia oder die Nationalmannschaft einmal längerfristig in eine sportliche Flaute kommen? Wie viele Besucher werden nötig sein, um in zehn oder zwanzig Jahren die Investitionen zu stemmen, wenn der heute schicke neue Bau in die Jahre kommt oder die Dauerausstellung großflächig umgestaltet werden soll?

 

Hiermit ist auch der dritte Aspekt angesprochen, denn ich bemerkenswert finde. Das Deutsche Fußballmuseum löst seinen Anspruch nach der Präsentation und den Meinungen von Kollegen, die es bereits besucht haben vorbildlich ein. Es erzählt die Geschichte des Fußballs in Deutschland in seiner ganzen Länge und Breite und hat dabei interessante Erzählstränge und Exponate sowohl für eingefleischte Fußballfans als auch für Geschichts- und Museumsinteressierte. Höhepunkt bildet die Inszenierung rund um den WM-Titel 2014, die mit einer großen Multimediastation und dem Mannschaftsbus der Turniersieger dokumentiert wird. Für die Werbung rund um die Eröffnung des Hauses war das zweifellos ein echter Glücksfall und auch in den künftigen Jahren wird diese Station in der Ausstellung sicher ein gutes Argument für die Werbung in der fußballafinen Zielgruppe bleiben. Andererseits weckt diese Aktualität bis fast in die Gegenwart und der hohe Medien- und Materialaufwand natürlich einen Erwartungsdruck für die nahe und mittelfristige Zukunft. Ist das Ausstellungskonzept flexibel genug und gibt es genug Ressourcen, um einen ‚fünften Stern‘ 2018 oder einen Europameistertitel 2020 auch entsprechend zu würdigen – und zwar mit kurzer Vorbereitung und im laufenden Museumsbetrieb?

 

Installation zum Weltmeistertitel 2014 © DFM / Roesner
Installation zum Weltmeistertitel 2014 © DFM / Roesner

 Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass die Diskussion im Anschluss an die Vorstellung des Hauses sich vor allem um Zahlen drehte. Neben betriebswirtschaftlichen ‚Was wäre wenn‘-Fragen, wurde dabei noch ein weiteres Dilemma angesprochen. Denn einerseits bietet dass DFM mit seinem überaus populären Thema die einzigartige Chance, neue Zielgruppen zu erschließen, die sonst vielleicht niemals ernsthaft einen Museumsbesuch in Erwägung ziehen würden. Andererseits wirken die aus wirtschaftlichen Gründen relativ hohen Eintrittspreise von mindesten 10 Euro dabei eher hinderlich, zumindest wenn es um das organisierte Abschöpfen dieses Potenzials geht. Fußballtouristen auf Auswärtstrip sind oft gut situiert und haben sicher noch Geld für eine Museumskarte übrig. Für Amateur- oder Jugendmannschaften kann die Eintrittssumme aber leider abschreckend wirken, ähnliches gilt für Landschulheime oder Ferienfreizeiten, für die ein Tagesausflug sonst sicherlich ein lohnendes Ziel wäre.

Man darf die Entwicklung in Dortmund also gespannt betrachten. Neben dem hausinternen Blick auf das DFM wurde auf der Tagung auch über die Bedeutung des Museums für die gesamte Stadt und Region diskutiert. Hierauf werde ich wegen der Parallele zu den anderen Vorträgen im Abschlussbeitrag der Artikelserie eingehen. Zuvor folgt gegen Ende der Woche aber noch ein Blogpost zu den Westfälischen Salzwelten in Bad Sassendorf.

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