Zurück zur Stadtgeschichte

“Haben Sie den Mut, auch verzweigte Berufswege zu gehen. Ich kenne genug Kollegen, die über den einen oder anderen Umweg wieder in der Museumsszene gelandet sind, obwohl sie zwischenzeitlich etwas ganz anderes gemacht haben”, hat mir einer meiner Mentoren bereits zu Beginn meines wissenschaftlichen Volontariats am TECHNOSEUM Mannheim geraten.

“Wenn der Museumsleiter hier nett ist, solltest du auf alle Fälle Kontakt halten. Vielleicht kannst du ja mal für ihn arbeiten… oder ihn sogar beerben?”, sagte meine Frau nur halb ironisch, als ich 2014 im Rahmen eines Lehrerworkshops der Körber-Stiftung Rolf Westheider vom Stadtmuseum Gütersloh kennen gelernt habe.

 

Beide Ratschläge erschienen mir klug und ich habe sie beherzigt. Dass sie so schnell zum Ziel führen würden, hätte ich allerdings noch vor zwei Monaten nicht für möglich gehalten.

Bild: Hewa - Wikimedia Commons - CC BY 3.0
Bild: Hewa - Wikimedia Commons - CC BY 3.0

Den Kontakt zu Herrn Westheider habe ich übrigens auch ganz ohne Hintergedanken gehalten. Als Regionalhistoriker mit großer Freude an der Geschichtsvermittlung an Jugendliche hatten wir immer genügend Gesprächsstoff. Und ich war regelmäßig davon beeindruckt, mit welchen originellen Themen und einfachen Mitteln das Stadtmuseum ein gutes halbes Dutzend sehenswerter Ausstellungen im Jahr auf seine beiden relativ kleinen Sonderausstellungsflächen brachte. Daher was es nicht ganz überraschend, dass ich ohne große Probleme ein kleines Projekt für die hiesige Museumspädagogik einwerben konnte, als ich gegen Ende meiner Elternzeit wieder mit der Akquise begonnen habe. Dabei ging es um Handlungsempfehlungen, um den Museumsbesuch für Schulklassen attraktiver zu machen. Doch auch während ich Lehrpläne wälzte und Führungskonzepte beschrieb, konnte ich noch nicht ahnen, dass ich derjenige sein würde, der dieses Konzept in den nächsten Monaten dann in die Praxis umsetzen darf. Das Stadtmuseum Gütersloh ist nun einmal ein kleines Haus mit wenigen Angestellten, der amtierende Leiter machte gute Arbeit und hatte noch einige Jahre bis zur Pension. Größere Hoffnungen als einige Folgeauftäge als freier Mitarbeiter konnte ich mir da erst einmal nicht machen.

Erst Anfang Dezember erfuhr ich, dass mein Kollege noch einmal die Stationen wechseln würde, um als Stadthistoriker in seiner Geburtsstadt Versmold deren 300jähriges Jubiläum zu konzipieren. Und dann ging alles sehr schnell. Auch wenn es der Name nicht vermuten lässt, ist das Stadtmuseum kein kommunales Haus, sondern wird - wenn auch mit Einigem an städtischen Zuschüssen - vom Heimatverein Gütersloh betrieben. Also: keine zeitraubende Ausschreibung, die im öffentlichen Dienst nötig gewesen wäre und schon einmal bis zu einem halben Jahr von der Stellenanzeige bis zur Besetzung dauern kann! Vom ersten Anruf aus dem Vorstand des Heimatvereins bis zur Pressekonferenz, auf der ich mich als neuer Museumsleiter vorgestellt habe, hat es gerade einmal dreieinhalb Wochen gedauert.

Als "eierlegendes Wollmilchschwein" qualifiziert

Wenn die Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorstand sich weiter so schnell, unkompliziert und im Grundsatz harmonisch gestaltet, wie im Bewerbungsverfahren, werde ich diese Trägerschaft sicher auch künftig zu schätzen wissen. Und auch sonst freue ich mich darauf, ab März wieder mit beiden Beinen im Museumsleben zu stehen. Die eine oder andere Herausforderung wird sicher handfester, als in Mannheim oder Kalkriese. Immerhin bin ich nicht nur für mein geschätztes Spielbein “Ausstellen und Vermitteln” verantwortlich, sondern auch für den laufenden Betrieb eines denkmalgeschützten Museumsensembles sowie für die Neukonzeption und eventuell sogar Umlagerung des Museumsdepots. Aber selbst für dieses Standbein fühle ich eine gewisse Vorfreude. Erstens hatte ich ein klassisches Museumsvolontariat, das mich als “eierlegendes Wollmilchschwein” in Museumsfragen qualifiziert hat. Und zweitens ist dies das erste Mal seit sechs Jahren, dass meine Frau und ich in der gleichen Stadt arbeiten und unser (inzwischen um eine Person gewachsenes) Familienleben mit dem Beruf vereinbaren können, ohne dazu Bahnfahrpläne und Landstrassenkilometer berücksichtigen zu müssen!

Die Energie, die ich darauf verwendet habe, in den letzten Monaten als “voller” Freiberufler Fuß zu fassen, war angesichts dieses Ergebnisses sicher nicht verloren. Das freie Texten und Konzipieren werde ich angesichts der Museumsprojekte in den nächsten Monaten und Jahren jetzt aber wieder auf seinen alten Status als bereichernde Nebenbeschäftigung zurückfahren.

Allen, die mir in den letzten Monaten ihr Vertrauen geschenkt haben, danke ich sehr herzlich und hoffe, dass die Zusammenarbeit nicht nur für mich erfreulich war. Bestätigte Aufträge für dieses Jahr werde ich natürlich gewohnt zuverlässig bearbeiten. Größere neue Projekte werde ich im Rahmen von Jungbluth PR derzeit aber nicht annehmen. Aber vielleicht lohnt sich für Ihre Institution ja eine Kooperation mit einem kleinen, aber feinen Stadtmuseum?!

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